Unsere Kirchengemeinde Penzlin - Groß Lukow (1)

Die Kirche ist in ihrer Form eine dreischiffige, vierjochige, gotische Backsteinkirche mit Kreuzgewölbe und niedrigem Westturm auf sechs Achteckpfeilern erbaut, wobei die Ostwand ursprünglich gerade geschlossen war. Mit der Christianisierung durch Heinrich den Löwen. Herzog von Sachsen und Bayern breitete sich um 1147 das Christentum vom Bistum Havelberg und dem Kloster Broda bei Neubrandenburg auch nach Penzlin aus und führte mit großer Wahrscheinlichkeit zum Bau einer Kirche. Wann und durch wen jedoch die Penzliner Kirche gebaut wurde, ist ungewiss. In einer Urkunde von 1273 werden zwei Kirchen erwähnt: die Stadtkirche (Marienkirche) und die Burgkapelle (Schlosskirche) der Fürsten von Werle.

Das Langhaus und der Turm wurden im 14, Jh. erbaut. In der Reformationszeit (um 1550) wurde unter Mitwirkung Dietrich von Maltzans die Kirche umgebaut (heutige Baugestalt, aber ohne Apsis und mit voller Turmhöhe). 1630 – während des 30- jährigen Krieges - wurde die Kirche zum Lazarett umfunktioniert. Die Dachkonstruktion ist derart stabil ausgeführt, dass große Lasten im Dachraum aufgenommen werden konnten.
Es ist somit gut vorstellbar, dass die Penzliner Bauern und Bürger in jener Zeit ihre Ernteerträge vor umherziehenden Truppen im Dachraum der Kirche gut in Sicherheit bringen konnten.

Im Jahr 1702 erhielt die Familie von Maltzan das Patronat über die Penzliner Kirche. Sie hatte es bis in das 20.Jahrhundert inne. Das Patronatsrecht einer adligen Familie über eine Stadtkirche war einmalig in Mecklenburg. Beim großen Stadtbrand 1725 wurde auch das Kirchgebäude in Mitleidenschaft gezogen. Der Kirchturm brannte nieder und die Gewölbe stürzten ein.1731 leitete der Baron Julius von Maltzan den Wiederaufbau in die Wege. Von 1731-1735 wurde ein Tonnengewölbe aus Holz eingezogen. Der Kirchturm wurde in geringerer Höhe mit stumpfem Pyramidendach wieder aufgebaut. Für alle Bürger Penzlins weithin sichtbar erhielt die Kirche 1864 eine Turmuhr, die der Meister Klagemann einbaute. Sie funktionierte bis 1985 und musste täglich von Hand aufgezogen werden. Der Orgelbauer Uman aus Neustrelitz baute 1781 die erste Orgel. Sie befindet sich auf der Westempore. Der Orgelprospekt trägt das Wappen von Joseph von Maltzan und seiner Ehefrau Johanna Gräfin von Luckner. Schon 1913 erhielt die Kirche eine allgemeine Beleuchtung.   Im Jahr 1930 wurde die Orgel neu gebaut und erweitert. Der Orgelbauer Julius Jaiser  aus Stralsund baute eine pneumatische Orgel mit Elektroantrieb für den Luftbalg ein. Die Orgel selbst erhielt zwei Manuale und Pedalwerk.
Die Familie Maltzan nahm ihre Aufgabe als Patronatsherren der Penzliner Kirche sehr ernst.

Im Jahre 1877/78 wurde zur Zeit des Johannes von Maltzan eine gründliche Restauration des Kirchengebäudes vorgenommen. Das Kirchgebäude erhielt im Inneren seine heutige neugotische Gestalt und Ausstattung. An Stelle des alten Gewölbes zog man ein neues Kreuzrippengewölbe aus Stein ein. Weiterhin wurden Emporen eingebaut und der Anbau der Apsis vorgenommen, die Pfeiler wurden verstärkt. Auch die Kanzel und das Gestühl wurden erneuert. Als Besonderheit zeigen sich beim Gestühl die Gestühlswangen mit den Symbolen der Maria.  Rosen und Lilien deuten als Kennzeichen auf die Marienkirche hin. Die Kanzel zeigt die 4 Evangelisten: Matthäus als Engel, Markus als Löwe, Lucas als Stier und Johannes als Adler. Am Kanzelkorb sind auch verschiedene Wappen zu sehen. Es sind das Mecklenburger Wappen, das der Maltzans und das Penzliner Stadtwappen, sowie eine Sirftertafel für Großherzog Friedrich Franz II.  Das Gemälde im Aufsatz des Altars aus dem Ende des 19.Jh. stammt von Prof. Georg Kannegiesser ( 1814-1900) aus Neustrelitz. Es stellt die Kreuzigung Jesu Christi dar. Ein älteres Altargemälde aus dem 18.Jahrhundert mit der Darstellung der Salbung Jesu in Bethanien befindet sich heute im rechten Seitenschiff .

Am 27. Oktober 1878 wurde die Kirche nach der umfassenden Restaurierung wieder neu geweiht. Das heute noch so bestehende Kirchgebäude besteht aus dem dreischiffigen Langhaus, der älteren südwestlichen Seitenkapelle (13. Jh.) und der 1877 vorgebauten Apsis. Der Westturm reicht nur knapp über das Dach des Langhauses hinaus. Der Westturm ist durch Seitenhallen in die Hallenstruktur einbezogen.

In den Jahren gab es immer wieder Neuerungen! 1962 konnte eine elektrische Bankheizung eingebaut werden, die noch heute in Betrieb ist.

Im gleichen Jahr wurden drei Stahlglocken, gegossen in Apolda, eingebaut und durch den Elektrobetrieb Kilinski aus Penzlin mit Elektroantrieben versehen. Sie tragen die Inschriften: „Seid fröhlich in Hoffneung – Geduldig in Trübsal – Haltet an am Gebet. Gestiftet von der Gemeinde Penzlin AD. 1961.“ Von den alten Glocken wurden 2 im 1.Weltkrieg und eine im 2.Weltkrieg eingeschmolzen. Gegenwärtig läuten vier der vorhandenen fünf Glocken. Eine in Penzlin gegossene Bronzeglocke stammt aus dem Jahre 1735. Sie trägt die Inschrift:

„Otto Julius S.R.J.Lib.Bar.a.Maltzahn Dominus haeredit.Baroniae Penzlin, et Patr. Loci me fundi curavit, die XXV maji MDCCXXXV, Sophia Dorathea Baronissa a Maltzahn nata a Winterfeld e dom. Schmarsow. Soli Deo Gloria. Ihr Sünder, höret auf, Gott länger zu vergessen, ach jeder Schlag an mir, sei auch an euch ein Schlag, und bessert ihr euch nicht, so tuts euch selbst zumessen, wenn ich um Rache ruf an jenem grossen Tag.

Nicolaus Schneider et Joachim Struck, Johann Tessin, Johann Altrichter goss mich in Penzlin.“.

Diese Glocke hat als einzige die Wirren der Zeit ab dem Wiederaufbau des Turmes 1732 überstanden. Gestiftet wurde diese Glocke von Otto Julius von Maltzan zur Erinnerung an den großen Stadtbrand (1725) Auf dem Ostgiebel befindet sich ein Giebelreiter mit einer Klingglocke. Sie könnte der Form nach eine der ältesten Glocken in Mecklenburg sein.

Das tägliche Läuten der Stahlglocke Nr.2 bedeutet:

- morgens 7:45 Uhr = Bitte um Gottes Beistand
- mittags 12:00 Uhr = Dank für das tägliche Brot
- abends 18:00 Uhr = Dank für den Tag.


Ein älterer Taufstein aus dem 18. Jh. befindet sich heute im Eingangsbereich der Kirche, er wurde 1963 durch einen neuen Taufstein aus Holz ersetzt.
Der Kirchturm konnte 1980 neu eingedeckt werden.1988 und 1992 wurde das Kirchendach neu eingedeckt. Gleichzeitig erfolgten eine Sanierung des Außenmauerwerkes und  Reparaturarbeiten an den Fenstern.
1994 wurde die Orgel einer gründlichen Restaurierung unterzogen.
Von Januar bis Oktober 2009 wurde die Kirche einer großen Restaurierung unterzogen. Vielen Penzlinern war es eine Herzenssache, bei dieser Aufgabe zu helfen. Ein großer Teil der Vorbereitungsarbeiten konnten selbst durchgeführt werden. Spenden unterstützten den von der Gemeinde zu erbringenden Eigenanteil an der Finanzierung. Die Kosten des Bauvorhabens wurden mit 440T€ veranschlagt und entsprechend durchgeführt.
Den größten Umfang davon nahm die Innenausmalung ein, die von der Penzliner Firma Ebert GmbH vorgenommen wurde. Der Inhaber der Firma Bernd Ebert fasste dies so zusammen: „Wir haben eine Strichlänge von 28000 lfd. m in das Kirchenschiff eingebracht.“ hergestellt.
Vor der Nutzung der Elektrizität für Beleuchtung und Sitzheizung wurde die Kirche im
Winter durch zwei Öfen auf der Nordseite erwärmt. Im Zuge der Sanierung der Kirche wurden die noch vorhandenen Züge, die außen bis unter das Dach führten, zurückgebaut. Schon vorher waren bei einer früheren Dachsanierung die Schornsteinköpfe bis unter das Dach zurückgebaut worden. Der gewaltige Rest des Schornsteins, der schräg bis unter das Dach führte, ist heute noch zu bestaunen.

Innern und außen wurden Putz- und Mauerschäden beseitigt. Beschädigte Fenster wurden repariert. Die Sakristei wurde vollständig neu gestaltet
Der Südanbau der Kirche diente bis 2009 als Begräbniskapelle für die Familie von Maltzan. Er wurde vollkommen neu gestaltet. Die untere Gruft wurde geöffnet und hergerichtet. Die erhaltenen Särge wurden neu aufgestellt. Ein gusseisernes Gitter verschließt die Gruft. Die Gruft ist heute für Besucher zu besichtigen.

Über der Gruft gibt es zwei Räume. Die bis dahin zugemauerten Fenster wurden geöffnet und erhielten eine neue Bleiverglasung. Der hintere Raum wurde als Kapelle gestaltet, in dem heute Kindergottesdienste sowie andere kleinere Gottesdienste oder Andachten gefeiert werden können. Der Raum wurde neu ausgemalt. Von dem Maler Reinhard Graefe erhielt dieser Raum 2011 ein Wandgemälde zum Thema „Auferstehung“.

Zwei Grabplatten für Jürgen (Georg) Maltzan Freiherr zu Wartenberg und Penzlin und (1501 – 1562) und Georg II. Freiherr zu Wartenberg und Penzlin (1526 – 1569) wurden hier wieder aufgestellt.

Im vorderen Raum wurde die offene Decke belassen, so dass man hier die Konstruktion des Dachstuhles erkennen kann. 2011 wurde von der Familie von Maltzan in diesem Raum eine Grabplatte für Joachim von Maltzan Freiherr zu Wartenberg und Penzlin (1491 – 1556) aufgestellt.

Am 25.10.2009 feierte die Kirchgemeinde mit einem Dankgottesdienst und einem Fest auf dem Marktplatz den Abschluss der Arbeiten  an der Marienkirche mit vielen Gästen u.a. Gästen aus der Partnerstadt Otterndorf und den Partnergemeinden aus Großwardein, Höchberg und Joure.
  
Auch mehrere Angehörige der Familie von Maltzan waren bei dem feierlichen Gottesdienst zum Abschluss der Arbeiten an und in der Kirche dabei. Viele Besucher freuten sich über die gelungenen Arbeiten.

Die Finanzierung der Arbeiten erfolgte durch Mittel der Städtebauförderung und der Leaderförderung, durch  Mittel des Kirchenkreises Stargard und der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburg und Eigenmittel der Kirchgemeinde. Unterstützt wurden die Baumaßnahmen durch den Förderverein Alte Burg, die Familie Maltzan , Familie von Massenbach, die Agrar GmbH Kohn, den Männerchor Penzlin und durch viele Einzelspenden unserer Bürger.

Die Bauleitung lag in den Händen der Bauabteilung der Kirchenkreisverwaltung des Kirchenkreises Stargard sowie der architekturfabrik Neubrandenburg. Sie wurden fachlich von dem Restaurator Dietmar Gallinat, Neu Rhäse, begleitet.
Folgende Betriebe führten die Baumaßnahmen aus:

Gerüstbauarbeiten: Gerüstbau Mücke- Gerüstbau Mirco Wegner – Prenzlau
Maurer- und Putzarbeiten: Neuhaus BU GmbH – Neustrelitz
Dachdecker und Klempner: Mario Röse – Penzlin,
Malerarbeiten:  Ebert GmbH – Penzlin
Fenster: Glasgestaltung Altlandsberg GmbH,
Elektroarbeiten Fa. Grothkopp – Penzlin (innen) und Elektrotechnik Draewe GmbH – Penzlin (Anstrahlung der Kirche)

Ausblicke und Perspektiven 

Die vorliegende Chronologie zu den Arbeiten an der Kirche zeigt, wie im Laufe der Jahrhunderte an und in der Kirche gebaut wurde. Für die Gegenwart gilt es, das Erreichte zu erhalten, zu pflegen und für nachfolgende Generationen zu bewahren. Weitere Baumaßnahmen werden sich anschließen.
Eine besondere Herausforderung wird für die Kirchgemeinde in der nächsten Zeit sein,  die drei Stahlglocken, die nach fünfzig Jahren ihre Lebensdauer erreicht haben, durch neue Bronzeglocken zu ersetzen.

Welche bauhistorischen Geheimnisse an der Kirche bleiben:
Ist der Südanbau der Kirche, wie bisher angenommen, tatsächlich älter als das Kirchenschiff?
Gab es den unterirdischen Gang zur Burg?
Welche Bedeutung hatte der Treppenturm, der heute ohne Zugang ist?
Was bedeutet die Grabplatte eines Jünglings im Mittelgang der Kirche und wer war der Jüngling?
Welche Bedeutung hatte der Kellerraum unter der heutigen Sakristei?
Was werden weitere Baumaßnahmen ans Licht bringen?

Die am meisten gestellte Frage aber ist die nach dem Namen der Kirche: St.Marien oder St.Nikolai?
Im Mecklenburgischen Urkundenbuch wird  unter Nr. 6834 (22.03.1348) die Kirche als Nikolaikirche erwähnt. Heute ist der Name St.Marien der übliche. Auch Eduard Danneil gebraucht diesen in seiner Chronik der Burg und Stadt Penzlin von 1873. Das Kirchensiegel trägt den Namen St.Marien. Fand ein Namenswechsel statt und wenn ja, wann? Oder wie ist diese unterschiedliche Bezeichnung zu erklären?


Die Gegenwart ist die Zeit,
die uns wirklich gehört
und
die wir nach Gottes Willen nutzen sollen.
Blaise Pascal


Bärbel Paetow und Harry Bechdolf